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Die Geheimnisse der Nacht als Poesie ohne Worte

Pierrot und Colombina an der Gesamtschule in Hahn: Premiere des neuen Stückes von "Criesu"

Von Kurier-Mitarbeiter Michael Hertl

Hahn. Nur in den kurzen Augenblicken, in denen Tag und Nacht sich berühren, kann Pierrot seine geliebte Colombina treffen. Denn die beiden leben in verschiedenen Welten: Pierrot muss als Bäcker immer dann arbeiten, wenn Colombina, die schöne Wäscherin des Dorfes, schläft. Und so folgt Colombina eines Tages den Verlockungen des lebenslustigen Arlecchino und zieht mit ihm fort ...
Auf der Grundlage einer Novelle des französischen Autors Michel Tournier haben die Mitglieder der Theatergruppe "Criesu" der Gesamtschule Obere Aar in Hahn ihr neues Stück inszeniert, das am Freitag in der Aula der Gesamtschule Premiere hatte. "Pierrot oder Die Geheimnisse der Nacht" heißt es und entführt die Zuschauer in eine Welt von Licht und Dunkel, von Ruhe und Bewegung.
Eine "Poesie ohne Worte" erlebt der Zuschauer, wenn Sonne und Mond sich berühren, wenn Pierrot (dargestellt von Meike Rosenplänter) für Colombina (Gesine Arlt) eine Sternenblume vom Himmel holt - oder wenn die Wäsche auf der Leine lebendig wird. Seit über zehn Jahren hat sich "Criesu" nun schon dem "Schwarzen Theater" verschrieben. Was so bedrohlich klingt hat aber nichts mit schwarzer Magie zu tun, sondern beschreibt eine alte Form des Theaters, in der Figuren und Symbole von schwarz gekleideten Darstellern vor einem schwarzen Hintergrund bewegt werden, so dass man nur die farbigen Symbole und Figuren, nicht aber die Darsteller selbst sieht. In Verbindung mit pantomimischen Darstellungen sowie Licht- und Klangeffekten entsteht auf diese Weise eine zauberhafte Komposition, die der Phantasie breiten Raum lässt.
Doch bevor das Stück die Phantasie der Zuschauer anregen kann, müssen die Darsteller harte Arbeit leisten. Schon seit Februar probt die siebzehnköpfige Truppe ihr aktuelles Stück, das zuvor auch gemeinsam ausgewählt wurde. Dabei lag schon bei der Auswahl größtes Augenmerk auf den gestalterischen Möglichkeiten des Stückes. Denn geschrieben ist die Vorlage "nur" zum Lesen. Sämtliche Ideen zu Darstellungen und Illusionen stammen von den Mitgliedern der Theatergruppe selbst - ob die Socken, die auf der Wäscheleine Twist tanzen oder die Gedanken eines Malers, die in leuchtenden Linien über die Bühne wandern. Und schließlich musste auch noch die passende Musik, alles in allem ein gutes Dutzend Stücke von Edith Piaf bis Jean-Michel Jarre, ausgewählt werden.
Möglich wird die phantasiereiche Umsetzung auch durch die bunte Zusammensetzung der Truppe unter Spielleiter Jürgen Rosenplänter. Quer durch alle Klassenstufen der Gesamtschule reicht das Spektrum der Mitwirkenden. Und die erfahrensten der Mitspieler, die den jüngeren wertvolle Hinweise geben können, haben ihre Schulzeit zum Teil schon hinter sich.
Zu sehen ist das Stück "Pierrot und die Geheimnisse der Nacht" nach einer Schüleraufführung am heutigen Montag noch einige Male im Januar nächsten Jahres. Die genaue Termine werden auch im Internet unter der Adresse www.criesu.de bekannt gegeben.

 

Wiesbadener Kurier, 17.12.2001