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Die wahre Geschichte von Criesu:oder wie wir zu unserem Namen kamenVor langer, langer Zeit, als Oberon König der Feen war, gab es in den tiefen Wäldern rund um Taunusstein noch Fabelwesen wie Zwerge, Riesen und Einhörner. Niemand hatte je ein solches Geschöpf mit eigenen Augen gesehen, aber jeder fürchtete den Zorn der Zwerge, denn man sagte, daß sie sehr gemein und hinterhältig seien.
Zu dieser Zeit also begab sich ein Lehrer mit seinen Schülern in jene Wälder. Er wollte ihnen beibringen,
Bäume an der Rinde zu erkennen, Vögelgesänge zu unterscheiden und zuckersüße Beeren im dichten Unterholz zu finden. Sie
verlebten eine wunderbare Zeit!
Und so geschah es denn, daß die Kinder und ihr Lehrer sich im Wald verirrten und den Weg nach Hause nicht
mehr fanden.
Letztendlich blieb ihnen gar nichts anderes übrig als mit Criesu zu gehen. Sie schlotterten
vor Furcht, obwohl ihr Weggenosse doch eigentlich so friedlich tat. Aber man sagte, Zwerge wären immer zuerst ganz
freundlich - und dann würde man doch im Kochtopf enden. Nach einem ihnen eine Ewigkeit erscheinenden Marsch über
Stock und Stein kamen sie zu einer kleinen Holzhütte. Sie war von oben bis unten von Efeu bewachsen, nur die Tür
und ein Fenster waren noch frei. "Kommt nur herein", sagte Criesu freundlich. Vor Angst eng aneinander- gedrückt gingen
die armen Seelen ins Haus. Es sah gemütlich aus - bis auf den großen Topf, der auf einer Feuerstelle in der Mitte
des Raums stand. "Bitte entschuldigt die Unordnung," sprach der Zwerg schulterzuckend, "ich hatte keine Gäste erwartet,
wißt ihr. Kann ich euch etwas zu trinken anbieten?" Obwohl die Kinder dem Zwerg noch immer nicht trauen wollten, baten
einige um Wasser. Auch der Lehrer bat um ein Glas. Gierig tranken sie das kühle Naß, das ihnen Criesu kurz
darauf gab. "Und jetzt erzählt einmal, was ihr so spät noch hier sucht! Ich bin sehr neugierig, wißt ihr!"
sprach der Gastgeber. Die ersten Kinder hatten ein kleines bißchen Vertrauen geschöpft zu dem gruselig
aussehenden Wesen, und so erzählten sie ihre Geschichte.
Doch Criesu schien gar nicht daran zu denken, einen von ihnen zur Vorspeise zu reichen. Er nahm einige
Tongefäße von dem einfachen Holzregal, warf ein paar Kräuter in den Topf mit kochendem Wasser und setzte sich
wieder zu seinen Gästen. Als die ihn etwas verwundert und ängstlich anstarrten, erklärte er schnell: "Die
Suppe ist gleich soweit! Wenn man die Kräuter nicht lange genug kochen läßt, schmecken sie bitter, wißt ihr!"
Und mit einem empörten Grunzen wendete er sich an den Lehrer: "Sagen sie bloß, das haben sie ihren Schülern nicht
beigebracht!" Nach einem Moment der völligen Stille brach auf einmal schallendes Gelächter aus. Auch Criesu
mußte lachen, und sein Lachen klang wie ein wunderschönes Glockenspiel. Die Kinder erklärten schüchtern,
warum sie seit ihrer Begegnung so verängstigt waren, und als sie geendet hatten, war es Criesu, der in Gelächter
ausbrach. "Nein," lachte er, während er sich eine Träne aus dem Augenwinkel wischte, "ich bin unter die Vegetarier
gegangen!" Wieder herrschte einen Moment entsetzte Stille, dann wurde man sich aber der glücklichen Lage
bewußt und das fröhliche Geschnatter der kindlichen Münder setzte wieder ein. Am nächsten Morgen weckte Criesu sie zeitig. "Ich bringe euch an den Rand des Waldes, bevor die anderen Zwerge euch bemerken", sprach er und trieb zur Eile. "Ihr müßt jetzt ganz leise sein!" sagte er noch, bevor er die schützende Holztür öffnete und die Gruppe herausführte. So leise wie möglich schlichen die Kinder hinter ihrem Beschützer her, zuckten bei jedem Geräusch zusammen. Doch dank Criesu gelang es ihnen, ungesehen aus dem Wald zu fliehen. Als sie das grüne Gras der Wiesen vor Taunusstein sahen, waren sie mehr als glücklich. Schnell verabschiedetet sie sich von Criesu und rannten ausgelassen auf das Dorf zu. Criesu blieb noch einen Moment am Waldrand stehen und sah ihnen nach, dann drehte er sich um und verschwand in der Dunkelheit des Waldes.
Es ging einige Zeit ins Land, bis der Lehrer und seine Schüler auf die Idee kamen, eine Theatergruppe zu
gründen. Sie wollten ihre Begegnung mit Criesu weitererzählen, wollten alle an ihrem Glück teilhaben lassen.
Ein Name war schnell gefunden: Criesu. Sie bauten sich eine Bühne und traten auf, wo immer sie Gelegenheit hatten. Und wenn sie nicht gestorben sind, so spielen sie noch heute ihre Geschichten von Criesu!
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